10 Jahre Gospelchor St. Andrew Singers Selb

„Darf ich mitsingen?“ habe ich gefragt, als ich zum ersten Mal an die Tür des Gospelchors geklopft habe. Es war ein Donnerstag Abend im Herbst 2003. Im ersten Stock des Lutherheims trafen sich zum wiederholten Mal Sängerinnen und Sänger jeglichen Alters bei der neuen Kantorin der Selber Stadtkirchengemeinde, Constanze Schweizer-Elser. Ja, ich durfte, und ich habe es bis heute nicht bereut.

Inzwischen ist der Chor zusammen gewachsen in der Begeisterung für die Gospelsongs. Der Chor, das sind um die 40 Sängerinnen und Sänger im Alter von etwa 15 bis fast 70 Jahren. Wir sind unterschiedlich in Alter und Herkunft. Also, was bringt uns zusammen? Nun, wir singen gerne, gerne etwas außergewöhnliches. Gospel, so wie er heute in Europa gesungen wird, geht über die Ursprünge der schwarzen Negro Spirituals in den USA hinaus, er enthält Elemente aus Jazz und Blues. Da gibt es den von Tore W. Aas, einem der einflussreichsten Gospelkomponisten Europas, 1988 gegründeten Gospel Choir in Norwegen, der modernen Gospel brillant gesungen darbietet. In Dresden komponieren Musiker mit klassischer Ausbildung, Martin S. Müller und Friedemann Wutzler, neue Gospelsongs und bringen traditionellen Gospel in einem völlig neuen Gewand. Und, man höre und staune, das klassische „Halleluja“ von Georg Friedrich Händel, der übrigens seiner Zeit musikalisch weit voraus war, hat ein Mann namens Michael Jackson zusammen mit anderen Fans in einen Rocksong verändert, der unter die Haut geht. „Wir singen jetzt das Halleluja von Händel“, sagt Reinhold Schelter, Kantor in Wunsiedel, anlässlich der 10jährigen Jubiläumsfeier des Wunsiedler Gospelchors im April diesen Jahres, „und für den Rest bitten wir um Verzeihung“. Denn der Rest mag Liebhabern klassischer Händel-Musik gegen den Strich gehen. Aber uns, den Gospel-Sängerinnen und Sängern, geht er direkt ins Herz. Dass das Einstudieren eines Gospels auch richtige Schwerarbeit sein kann, erfahren wir gerade an diesem Werk. Viele Male gilt es hier „Halleluja“ zu singen, aber eben jedes Mal ein kleines bisschen anders.

Damals, 2003, begann alles mit den eher einfacheren, aber durchaus tief gehenden Gospelsongs, die immer auch Ausdruck des Glaubens sind. „Amazing Grace“ (Erstaunliche Gnade) ist solch ein Lied. Gospelgrößen wie Anita Franklin, Mahalia Jackson, Joan Baez und viele andere haben diesen Gospel gesungen, bei dem Klang und Text gleichermaßen die Seele berühren.

Heute studieren die St. Andrew Singers weit kompliziertere Werke ein. Dabei geht unsere Constanze Schweizer-Elser äußerst geschickt vor. Wir Gospelsänger/Innen sind nämlich recht mitteilsam und lieben es, uns die neuesten Ereignisse der Woche zu erzählen, während gerade im Alt, oder im Tenor oder im Bass die einzelnen Stellen geübt werden. Je mehr wir uns einem Konzert, einem Auftritt nähern, umso nervöser wird die Stimmung. Der Geräuschpegel im Chor nimmt zu, die Kantorin, sonst von höchst großzügigem und humorvollen Wesen, mahnt Ruhe an. Aha. Spätestens da wissen alle, es wird ernst. Ruhe, Leute, Konzentration!

Wie wunderbar ist der Moment, wenn nach langem Einzelüben alle Stimmen zusammen geführt werden. Wir stehen auf. Wir konzentrieren uns. Wir legen los. Schon so manches Mal sind mir da die Tränen gekommen. So schön war das Gesamtergebnis der Stimmen.

Wir sind in diesen Jahren viele Male aufgetreten, natürlich in unserer Stadtkirche, aber auch im Rosenthal-Theater, auf dem Weihnachtsmarkt in Selb und anderswo, beim Gottesdienst im Bürgerpark anlässlich des Porzelliner-Flohmarkts im August, bei Hochzeiten, bei Geburtstagen, beim gemeinsamen Singen mit anderen Gospelchören, bei unseren französischen Freunden in Beaucouzé und so weiter. Ganz schwer war es, beim Begräbnis unserer Heike Baumann zu singen, die uns viel zu früh verlassen hat und die wir sehr vermissen. Es gibt Lieder, die uns sehr an sie erinnern. Das fällt dann richtig schwer.

Viele von uns hat das Singen geprägt. Es ist ein herrliches Gefühl, wenn das Konzert geklappt hat, wenn wir wissen, dass unsere Konzentration Erfolg hatte. Wenn der Beifall kommt, die Menschen, die unsere Lieder gehört haben, begeistert und wohl gestimmt sind. Dann empfinden wir die große Gemeinschaft, die uns verbindet.

Brigitte Heinrich

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Gospelchor der Ev. Stadtkirche St-Andreas

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